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Hermann Höcherl
Die Bedeutung der Öffentlichkeitsarbeit für die Bildung und Gestaltung der Europaregion Donau-Moldau
Meine sehr geehrten Damen und Herren, mein Name ist Hermann Höcherl. Ich stamme aus der Gegend von Regensburg, bin gelernter Tageszeitungsredakteur und seit Mai dieses Jahres im „Unruhestand“. Seit fast drei Jahren bin ich im Rahmen des grenzüberschreitenden Projekts „Nachbarn kennen“ in der Berichterstattung über bayerisch-tschechische Gemeinschaftsprojekte und Themen zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus Bayern und der Tschechischen Republik tätig (ich nenne hier stellvertretend die Herren Erhart sen. und jun.). Wir wollen diese Tätigkeit im Rahmen der Europaregion Donau-Moldau fortsetzen, speziell für die Teilregionen Niederbayern-Oberpfalz und auch Südböhmen, und unsere bisherigen Erfahrungen in der Öffentlichkeitsarbeit für diese gute Sache einbringen. Um es gleich zu Beginn meiner kurzen Ausführungen zu sagen, ich komme seit über 20 Jahren nach Tschechien, habe und hatte hier viele gute Freunde, ich habe dieses schöne Land gerne und seine Menschen mit all ihren Stärken und auch mit ihren Schwächen. Und schließlich darf ich Ihnen gestehen, dass ich mich, im Gegensatz zu so manchem Kollegen und auch Politiker hier und bei uns zu Hause, nicht für unfehlbar halte und dies als eine Grundvoraussetzung für guten Journalismus betrachte, der über Grenzen hinweg verbinden soll.
Nun sind wir beim Thema Öffentlichkeitsarbeit und deren Bedeutung für die Bildung und Gestaltung der Europaregion Donau-Moldau. Sie gestatten, dass ich eben dieses Thema etwas abwandele. Dass für eine künftige Europaregion die begleitende Darstellung in den Medien bis zu deren Gründung und dann deren inhaltliche Ausgestaltung unerlässlich und von großer Bedeutung ist, brauche ich vor diesem Publikum sicherlich nicht zu begründen. Denn soll sie Erfolg haben, muss sie von einer breiten Mehrheit der Menschen in den Regionen der drei Länder getragen werden. Es ist gut, dass einzelne Bürgerinnen und Bürger, Kommunen, Schulen, Kirchen, Wirtschaftsverbände, Museen und Hochschulen, vor allem auch mit Hilfe der Euregios, im Laufe von zwei Jahrzehnten in den Landkreisen entlang der Grenze und vielleicht etwas darüber hinaus hunderte von gemeinsamen Projekten entwickeln und durchführen. Den Menschen, die daran beteiligt sind, und vielleicht auch noch denen, die in ihren Regionalzeitungen berichten und darüber lesen, ist bekannt, dass es eine Europaregion Donau-Moldau geben wird, die in der Gründungsphase ist. Sicher ist auch den Politikern in den drei Ländern die Absicht bekannt, doch die Frage muss nach wie vor erlaubt sein, ob alle Bekenntnisse zu dieser Europaregion in der vorliegenden Form und Größe auch ehrlich gemeint sind. Denken sich die großen Verfechter eines Europas der Regionen – ich bitte hier die Gänsefüßchen herauszuhören – vielleicht insgeheim doch Folgendes: ist zu groß, beansprucht unangemessene Kompetenzen, kann keine Identität entwickeln, warum nicht weitermachen wie bisher … Antworten haben wir heute bisher im Laufe der Veranstaltung darauf schon gehört. Und fragen Sie einmal Menschen auf der Straße in München, ja in ganz Oberbayern, in Nürnberg oder in Prag oder Wien nach einer Europaregion Donau-Moldau. Da können Sie sich genauso auch nach einer vorderindischen Provinzhauptstadt erkundigen und erzielen das gleiche Ergebnis. Sehr verehrte Damen und Herren, allen Unkenrufen zum Trotz: Der politische Lenkungsausschuss hat kürzlich in Waldmünchen einstimmig beschlossen, zunächst im Frühjahr 2012 mit einer Arbeitsgemeinschaft als erstem Schritt die Gründung zu vollziehen.
Lassen Sie mich nun im Folgenden für Bayern, und dies ist übertragbar auf die anderen Länder mit ihren spezifischen medialen Gegebenheiten, kurz einige Ansätze als Diskussionsgrundlage skizzieren, wie eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit für die Europaregion Donau-Moldau ganz konkret aussehen könnte, wie diese schwierige und komplexe Aufgabe angegangen werden könnte. Als Basis für Informationen über abgeschlossene, laufende und geplante Projekte dient, parallel zu den Informationen durch die jeweilige Euregio, die bereits durchgeführte Netzwerk- und Potenzialanalyse. Sie bildet die Grundlage für die Darstellung eines Ist-Zustandes. Allerdings erfordert dies eine erhebliche Verstärkung der Presseinformationen von dort und die Einrichtung eines zentralen Informationsdienstes der Europaregion insgesamt. Letzterer wäre dann zuständig für die überregionale Berichterstattung in sämtlichen Medien. Doch dies bedeutet eigentlich nur einen Einstieg. Die Präsentation örtlich begrenzter kleiner Projekte könnte wie bisher in den Medien vor Ort geschehen. Hier sind die Lokalteile der Tageszeitungen und auch der Anzeigenblätter und lokale Radiosender, soweit sie nicht selbst aktiv werden, zu bedienen. Internetplattformen der jeweiligen Partner stellen eine sinnvolle Ergänzung und Quelle dar.
Erheblich mehr Schwierigkeiten – und ich spreche hier erfahrungsbedingt von Bayern – bereitet in der Praxis die überregionale Berichterstattung in den Regionalteilen, z. B. Niederbayern-Oberpfalz oder dem Bayernteil von Zeitungen. Hat man feste Ansprechpartner in den einzelnen Medien gefunden, was unerlässlich ist, so geht das bei allem guten Willen der Beteiligten häufig so – ich nenne ein Beispiel: In einer grenzüberschreitend getragenen Kultureinrichtung, z. B. Centrum Bavaria Bohemia, wird eine Ausstellung mit Werken von bildenden Künstlern, von Malern oder auch Karikaturisten zu einem politisch brisanten Thema eröffnet – nehmen wir den derzeitigen Dauerbrenner Eurokrise und Rettungsfonds. Einführungen zum Thema sprechen ein Euroskeptiker und ein bedingungsloser Befürworter der derzeitigen Politik, weitere Betrachtungen stellen ein Mann aus der Wirtschaft und ein Theologe bei dem Festakt an. Gehört nun so ein Bericht in den Politikteil einer Zeitung unter Bayern oder mindestens unter Regionales, in die Rubrik Wirtschaft oder schließlich doch in das Feuilleton? Da scheiden sich die Geister in den Zeitungen. Und wenn man gar nicht weiß wohin damit, kommt es schließlich, wenn überhaupt, in eine Wochenendbeilage. Also Sie sehen das Dilemma der Aufteilung der Themen. Es gibt keine Plattform, die sich ausschließlich mit der Europaregion Donau-Moldau in ihren verschiedensten Facetten beschäftigt. Hinzu kommt, die bayerischen Großstadtzeitungen in München und Augsburg und mit Einschränkungen in Nürnberg könnte man sowieso nur mit einem Erdbeben samt anschließendem Tsunami in Niederbayern und Südböhmen aus der Reserve locken, in München allerdings nur für den Fall, dass sich gleichzeitig eine Verbindung mit dem Oktoberfest oder mit den Alpen herstellen lässt.
Was tun, um die Europaregion darzustellen, wie sie in Wirklichkeit ist? Was tun, um den großen Projekten, die eine Europaregion Donau-Moldau bspw. in Sachen Verkehr und Infrastruktur, Bildung und Gesundheitswesen anschieben will, Resonanz und Unterstützung in der gesamte Öffentlichkeit des jeweiligen Landes zu verschaffen? In einer Zusammenfassung kristallisieren sich folgende wünschenswerte Maßnahmen und Anregungen zu einer effektiven Öffentlichkeitsarbeit heraus:
die großen Themen und Projekte, über die sich alle verständigt haben, werden in gemeinsamen Erklärungen und Pressekonferenzen den Medien aufbereitet präsentiert,
mehr lokale Projekte und Themen werden – wie vorher erwähnt – über lokale Medien wie bisher verbreitet,
für beide Anliegen – also die Punkte eins und zwei – ist eine Grundvoraussetzung zu schaffen, welche wohl nur mithilfe der vereinigten politischen Kräfte im Gespräch mit Verlegern und Rundfunk- und Fernsehanstalten zu erreichen ist. Es sollte bei jeder größeren Zeitung in Niederbayern/Oberpfalz und in den Regionen Tschechiens und Österreichs aber auch Schritt für Schritt darüber hinaus eine regelmäßige Rubrik konkret eine halbe bis eine Seite wöchentlich oder mindestens alle vierzehn Tage eingerichtet sein, die sich mit Themen aus der Europaregion befasst.
Wir haben z. B. derzeit im Straubinger Tagblatt / Landshuter Zeitung einen Ansatz gefunden, wo wir eine Serie eingerichtet haben, in der über südböhmische Städte berichtet wird. Das betrifft Wirtschaft, Kultur, Industrie, Tourismus, Landschaft, Leben in der Stadt usw. Auf diese Weise könnten die oben genannten Schwierigkeiten mit der Platzierung der Artikel vermieden werden und die verschiedensten Bereiche abgedeckt sein. Das gleiche gilt für Rundfunksender und Fernsehanstalten, die regelmäßig wiederkehrende Sendungen zu allen möglichen Anliegen, Projekten und Veranstaltungen innerhalb der Europaregion etablieren müssten. Für den Anfang ist sicherlich eine Aufteilung der Gebiete innerhalb der Europaregion zur pressetechnischen Bearbeitung zu empfehlen, meinetwegen in die Bereiche Niederbayern/Südböhmen und evtl. Oberpfalz, dann der Teil, der an Österreich grenzt, und der nördliche Teil, der an Franken und die Region Nürnberg grenzt.
Die Berichte bzw. die Presseerklärungen sollten sich auf eine wertfreie, objektive Berichterstattung ausschließlich über die Europaregion betreffende Themen beschränken. Versteckte Kommentierungen zu allgemein politischen Fragen sind zu vermeiden. Mit der Wirtschaft in all ihren Bereichen, vor allem Tourismus, ist eine enge Zusammenarbeit nicht zuletzt zur Finanzierung von Werbung in den Medien anzustreben. Denn das Prinzip des gegenseitigen Gebens und Nehmens gilt auch für die Medien. Schließlich sollte generell die Maxime gelten, getragen von einer positiven Grundhaltung bestehende und künftige Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten. Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit.
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